Moonlight liegt morgens eingekuschelt auf einer weichen Wolldecke am Fußende des Betts, während kühles Septemberlicht durch das Fenster fällt.

Wer zuerst aufsteht, verliert die Wärme: Unsere Septembermorgen zwischen Decke und Teppich

Im Sommer waren wir schnell auf den Beinen. Jetzt im September verhandeln wir jeden Morgen neu, wer die Decke verlassen muss.

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Der Wecker hat heute um sieben geklingelt. Mein Mensch hat einmal mit der flachen Hand auf das Telefon geschlagen, und dann war es wieder still im Zimmer.

Das ist der Unterschied zum Juli. Im Juli sprang sie nach dem ersten Ton aus dem Bett, riss die Balkontür auf und stellte die Kaffeemaschine an, noch bevor ich meine Vorderbeine richtig gestreckt hatte. Jetzt im September bleibt sie liegen. Sie dreht sich nicht einmal um. Sie zieht nur den oberen Rand der Decke bis an die Nasenspitze und wartet, ob die Welt draußen vielleicht von alleine wieder wärmer wird.

Ich kenne diese Pause. Ich rechne fest mit ihr.

Zuerst bewege ich nur die Ohren. Das linke Ohr liegt flach auf der Wolldecke, das rechte lauscht in den Flur. Die Wohnung ist um diese Uhrzeit noch ganz dünn angezogen. Draußen auf der Straße fährt der erste Lieferwagen vorbei, die Reifen klingen auf dem feuchten Asphalt wie nasses Schleifpapier. An der Scheibe kleben zwei dicke Tautropfen, die sich nicht einigen können, wer zuerst nach unten rollt. Und hier drinnen liegt ein kühler Streifen Luft genau zwischen der Bettkante und dem Boden.

Wer aufsteht, berührt diesen Streifen zuerst. Deshalb steht niemand auf.

Die langsame Verschiebung

Ich liege am Fußende. Offiziell habe ich mein eigenes Körbchen drüben neben der Kommode, aber im September gelten andere Regeln als im Hochsommer. Wenn die Nächte spürbar kühler werden, rückt die Geografie unseres Schlafzimmers zusammen.

Ich beginne mit den Vorderpfoten. Ganz langsam, Millimeter für Millimeter, schiebe ich sie unter die Überwurfdecke. Man darf dabei keine hastigen Bewegungen machen. Wenn man zappelt, hebt sich der Stoff, und kalte Luft strömt in die Kuhle. Mein Mensch würde dann mit den Beinen zucken und die Decke wieder fest unter ihre Hüfte klemmen. Also bewege ich mich wie eine Schnecke, die weiß, wo die Butter liegt.

Zehn Minuten später habe ich mein Ziel erreicht: die Kniekehle.

Es gibt in einer Wohnung viele warme Orte. Der Platz in der Sonne auf den Holzdielen ist wunderbar, aber er kommt erst am Nachmittag. Der Teppich vor dem Sofa ist bequem, aber er heizt nicht von selbst. Die Kniekehle meines Menschen an einem Septembermorgen ist eine Festung. Wenn ich die Nase genau dort hineindrücke, wo die Decke eine kleine Höhle bildet, hört das Zittern in der Luft sofort auf.

Mein Mensch seufzt leise. Sie schläft nicht mehr, aber sie tut so, als würde sie schlafen. Eine Hand wandert schlaftrunken unter der Decke hervor, tastet nach meinem Nacken und krault mich hinter dem rechten Ohr. Sie weiß genau, was ich getan habe. Sie lässt es durchgehen, weil mein Fell ihre Füße wärmt. Es ist ein stilles Abkommen: Ich gebe Bodenhaftung, sie gibt Daunen.

Wer sich morgens zuerst bewegt, verliert die Wärme. Wir haben das nicht abgesprochen, aber wir halten uns beide daran.

Das Gluckern in den Rohren

Gegen zwanzig nach sieben passiert das, worauf wir beide gewartet haben: Der Heizkörper unter dem Fenster fängt an zu gluckern.

Es beginnt mit einem trockenen Klopfen, tief in der Wand, wie ein kleiner Specht, der sich im Mauerwerk verirrt hat. Dann strömt das Wasser durch die Rippen. Es zischt leise, gluckert einmal kurz auf und verteilt dann diesen ganz bestimmten Geruch im Raum. Jeder Hund kennt ihn: eine Mischung aus warmem Metall, feinem Sommerstaub, der auf den Rohren verbrannt wird, und der Gewissheit, dass das Jahr umgeblättert hat.

Mein Mensch öffnet die Augen. Sie schaut an die Decke, wo das graublaue Morgenlicht langsam hellgrau wird.

„Moonlight“, flüstert sie mit einer Stimme, die noch nach Kissen klingt. „Wir müssen.“

Ich antworte nicht. Ich mache mich absichtlich schwer. Ein Hund, der sich schwer macht, wiegt mindestens das Doppelte seines eigentlichen Körpergewichts. Ich lasse die Schultern einsinken, lege das Kinn auf ihr Schienbein und seufze tief aus der Brust heraus. Es ist ein Seufzer, der sagen soll: Die Dielen da unten sind aus Eis. Draußen hängt die Jacke mit den tiefen Taschen an der Tür, aber sie ist noch steif vor Kälte. Bleiben wir einfach hier, bis es Mai wird.

Sie lacht leise. Ihre Hand klopft auf meine Flanke.

„Hilft nichts. Der Tag geht nicht weg, nur weil wir die Augen zumachen.“

Die ersten fünf Schritte

Das Aufstehen ist eine Choreografie in drei Akten.

Zuerst schlägt mein Mensch die Decke zur Seite. Für genau vier Sekunden ist es grauenvoll. Die Kälte fällt wie ein nasses Tuch über uns beide. Sie zieht die Beine an, sucht mit den Zehen nach den dicken Wollsocken auf dem Teppich und flucht ganz leise, fast zärtlich, über den Dielenboden.

Dann bin ich dran. Ich stehe auf, strecke erst die Vorderbeine weit nach vorne, bis die Brust den Teppich berührt, und schiebe dann den Rücken zu einem Bogen nach oben. Ein kurzes Schütteln, bei dem die Ohren gegen den Kopf klatschen, und der Schlaf fällt zu Boden.

Als meine Pfoten das Holz berühren, zucke ich kurz zurück. Es ist genau so kalt, wie ich vermutet hatte.

Aber dann geht mein Mensch in die Küche. Die Kaffeemühle summt ihr tiefes, verlässliches Lied. Der Wasserkocher meldet sich mit seinem heiseren Pfeifen. Aus dem Schrank im Flur kommt das vertraute Klickgeräusch der Futterdose.

In fünf Minuten werden wir unten auf der Wiese stehen. Das Gras wird nass sein, der Nebel wird mir bis an den Bauch reichen, und die Gerüche der Nacht werden scharf und frisch in meiner Nase brennen. Das wird großartig sein. Aber die zehn Minuten davor, als wir beide so taten, als gäbe es da draußen überhaupt keinen Herbst, gehören zu den besten Minuten des ganzen Tages.

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