Moonlight liegt in einem warmen Sonnenfleck auf dem Wohnzimmerboden.

Der Platz in der Sonne ist jetzt meiner

Ein Sonnenfleck wandert. Mein Mensch auch. Ich bleibe, solange es warm ist.

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Heute Morgen war der Sonnenfleck noch im Flur. Jetzt liegt er mitten im Wohnzimmer und tut so, als wäre er schon immer dort gewesen.

Ich habe ihn zuerst im Flur gehabt. Er kam durch die Tür, ein schmaler Streifen, der erst zögerte und dann breiter wurde. Ich habe mich hineingelegt, die Nase auf den warmen Rand gelegt und abgewartet, bis die Wärme unter meinem Fell ankam. Das dauert eine Weile, aber es lohnt sich. Der Boden ist morgens am kältesten, und der Fleck ist die einzige Stelle im Haus, die nicht mitmacht. Er wächst, ohne dass man ihn darum bitten muss, und das ist das Beste an ihm.

Ich kenne diese Sorte Licht. Sie hat eine Route, und die führt vom Flur über den Teppich zur Stelle vor dem Fenster. Wer einmal mit ihr zusammengelebt hat, kennt ihren Fahrplan. Man muss ihr nur folgen, dann hat man immer etwas zu tun, und das ist mehr, als man von den meisten Dingen im Haus sagen kann.

Dann ist mein Mensch gekommen. Sie hat den Stuhl vom Fenster geholt, ihn mitten in den Fleck gestellt und den Laptop aufgeklappt. Das Aufklappgeräusch ist das Signal, dass die Wohnung jetzt arbeitet. Der Stuhl hat das Licht in zwei Teile geschnitten. Ein schmaler Streifen lag rechts neben dem Stuhlbein, der Rest verschwand unter dem Sitz. Das war kein Versehen. Arbeit nimmt Platz, das weiß ich. Ich habe genug Nachmittage vor dem Schreibtisch verbracht, um damit zu rechnen.

Ich habe den Streifen genommen, der übrig war. Er war gerade breit genug für den Kopf. Eine Weile hat das gereicht. Dann ist der Fleck weitergezogen, am Stuhl vorbei Richtung Sofa, und ich bin aufgestanden und ihm gefolgt. Nicht schnell. Schnelligkeit ist für draußen. Draußen zählen Gerüche, hier drinnen zählt die Wärme.

Während ich lag, habe ich den Fleck beobachtet, mit dem Kopf auf den Pfoten. Ein Fleck, der wandert, sieht aus wie ein Fleck, der stillsteht, wenn man ihn zu lange ansieht. Erst wenn man den Blick löst, merkt man, dass er weitergezogen ist. Ich habe den Blick gelöst und bin ihm gefolgt.

Der Fleck hat sich Zeit gelassen. Er zog über die Dielen, und jede Diele klang anders unter meinen Pfoten. An der Fuge zwischen zwei Brettern blieb er stehen, als überlegte er, ob er sie überspringen soll. Ich habe gewartet. Dann ist er hinübergezogen, und ich bin gefolgt, ohne dass einer von uns etwas gesagt hat.

Am Sofa blieb er liegen, als hätte er sein Ziel erreicht. Ich habe mich wieder hineingelegt, diesmal mit dem ganzen Körper. Neben dem Fleck lag der Schatten des Stuhlbeins. Er war die ganze Zeit dagewesen, nur hatte ich ihn nicht bemerkt, weil ich die Sonne beobachtet hatte.

Nach einer Weile hat sich der Fleck gedreht. Er war nicht mehr derselbe Fleck, nur an einem anderen Ort. Er war länger und schmaler geworden, und die Wärme kam jetzt von einer anderen Seite. Ich habe mich gedreht, bis sie wieder an derselben Stelle ankam. Mein Mensch macht das mit dem Stuhl genauso. Sie dreht sich mit, damit die Arbeit im Licht bleibt. Sie würde nicht zugeben, dass das dasselbe ist, aber es ist dasselbe.

Der Stuhl in der Sonne

Irgendwann ist das Tippen hinter mir leiser geworden. Das ist immer das erste Zeichen, dass mein Mensch an etwas denkt, das nicht auf dem Bildschirm steht. Ihre Schultern haben sich gesenkt, der Tee stand längst kalt. Sie hat zugesehen, wie ich dem Licht hinterhergezogen bin, einmal quer durch das Zimmer, mit zwei Pausen und einem Umweg um das Stuhlbein. Dann ist sie aufgestanden, hat den Stuhl ein Stück zur Seite geschoben und ihn neu hingestellt, gerade so, dass der Fleck wieder ganz war. Sie hat nichts dazu gesagt. Sie hat sich hingesetzt und weitergetippt, und der Fleck lag jetzt genau dort, wo ich vorhin gelegen hatte.

So funktioniert das bei uns. Wir sind vor nicht allzu langer Zeit in das neue Zuhause gezogen, und ich merke jeden Tag neu, wie eine Wohnung zu einem wird. Nicht durch die Wände, nicht durch die Möbel, die man hinstellt. Durch die kleinen Zugeständnisse. Man rückt zusammen und verschiebt einen Stuhl, und man lässt das Licht dort, wo der andere liegt. In der alten Wohnung war der Platz vor dem Fenster der beste. Jetzt liegt der beste Platz zwischen Sofa und Teppich. Jede Wohnung hat ihre eigenen guten Stellen, man muss sie nur finden.

Die Sonne argumentiert nicht. Sie zieht einfach weiter, und man lernt, ihr zu folgen.

Der lange Nachmittag

Am Nachmittag wurde der Fleck lang und dünn und kroch die Wand hoch. Die Wärme stieg vom Boden in die Wand, und irgendwann war er nur noch ein schmaler Balken, der nicht mehr wärmte, sondern nur noch leuchtete. Ich bin ihm nicht mehr gefolgt. Es gab nichts mehr zu holen dort oben. Ich habe zugesehen, wie er kleiner wurde, und gemerkt, dass auch ein Tag eine Route hat. Morgens die Dielen, abends die Wand. Dann habe ich mich auf den Teppich gelegt, der inzwischen wieder kühl war. Die Wohnung roch nach einem langen Arbeitstag und nach dem Laptop, der warm geworden war. Es gibt einen Unterschied zwischen warten und bleiben, den ich erst spät verstanden habe. Warten hat ein Ende. Bleiben hat keins, und es braucht keins.

Als der Fleck weiterzog, stand mein Mensch auf und zog den Stuhl hinterher. Sie hatte heute viel zu tun. Das hatte ich auch.

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